Hochsaison im Stall
Im Spätherbst und Winterbeginn sind absolute Hochsaison-Spitzen im Stall: die Abkalbezeit bei den Kühen steht an. Trotz der vielen Arbeit liebe ich diese Zeit, weil jede Geburt etwas Besonderes ist und ich einfach Kühe und Kälber über alles liebe. Es gibt für mich im Stall nichts Schöneres, als wenn die Kälber so voller Appetit am Eimer saugen und herumhüpfen wie kleine Kinder.
Mitte Jänner wird es ein Jahr, dass wir mit den Milchkühen in den neuen Stall eingezogen sind und die tägliche Arbeit dadurch erleichtert wurde und das Tierwohl, das ja jetzt in aller Munde steht, sehr angehoben wurde.

Ich möchte meinen Bauernhofgeschichten-Lesern anbieten, virtuell mit uns bei einer Melkzeit im Stall dabei zu sein. Wir zeigen, wie die Abläufe sind, wieviel Arbeit es macht, dass Milch letztlich im Tank landet, worauf zu achten ist und wie die Kühe als Abschluss jeder Melkzeit belohnt werden.
Sind Sie dabei bei diesem Tagesablauf ? Ja – okay, dann geht es auch schon los. Nach den täglichen Fütterungsarbeiten wird um kurz vor sechs Uhr morgens der Laufstall gesäubert, ein Teil der Entmistung erfolgt automatisch durch den Schrapper, den Rest machen wir mit einem Schieber per Hand.


Am Futtertisch schiebt man den Kühen das Futter näher zum Fressgitter hin und kehrt alles zusammen. Ist viel Futter am Futtertisch, fahren die Männer mit dem Hoftrak, sonst wird diese Arbeit mit der Hand erledigt.
Im Milchkammerl muss nun alles technische für das Melken vorbereitet werden – Kontrolle, ob der Tank die Kühltemperatur von 4-5 Grad Celsius hat, den Hebel umschalten auf Melken und im Melkraum wird die Technik ebenso auf Melken umgestellt, der Filter ausgewechselt. Nun wird der Melkstand komplett mit einem Schlauch nass gespritzt, sodaß man nach dem Melken, wenn die Kühe doch einiges an Schmutz mitgenommen haben, den Melkstand sofort sauber bekommt. Die Melkzeuge sind von der Halterung abzunehmen und das Gestell zum Melken wird runtergefahren.

Inzwischen treibt man die Kühe vom Fressgitter weg und geht mit ihnen Richtung Wartebereich zum Melken. Die Tore werden geschlossen, sodaß die Kühe nicht wieder zum Fressen „abhauen“ können.

Nachdem alle im Wartebereich sind, gibt man zu den Fressgittern die Leckerli – Kraftfutter hin, die sie nach dem Melken als Belohnung vorfinden. Ich denke, es ist wichtig und tut den Kühen gut, immer dieselbe Reihenfolge einzuhalten, die Tiere können sich dann leichter orientieren.



Es kann losgehen: die erste Partie – wir können 7 Kühe auf einmal melken. Der Eingang wird geöffnet und die ersten Kühe kommen rein. Sind 7 Kühe im Melkraum, schliessen wir das Gitter, sodaß die anderen Kühe nicht mehr reindrängen.



Wichtig ist, dass sich die Kühe im Melkstand wohlfühlen und gerne reingehen. Die ersten Monate waren nicht einfach, man brauchte viel Geduld und Erfahrung. Hier hat uns Franz vom Maschinenring sehr geholfen, dass die Kühe die Angst vor dem Neuen verlieren und Vertrauen gewinnen.
So – sind nun alle 7 Kühe im Melkstand – es wird angemolken. Wir melken pro Zitze ein paar Strahlen raus und im Ans

chluss wird der Milchfluss mit der Holzwolle angeregt und die Zitzen dadurch noch gereinigt. Sobald die Milch eingeschossen ist, wird das Melkzeug im Uhrzeigersinn raufgegeben.
Als die Kühe die Situation gewöhnt waren, ging es auch, dass unsere Gäste am Melken teilnahmen und sich unsere Vierbeiner nicht gestört fühlten. Wenn die Kuh fertig ist und der Milchfluss wird gering, kommt das Melkzeug runter, die Milchmenge wird kontrolliert, die Zitzen selbst, das Euter wird abgetastet und im Anschluss dann noch eingetippt mit einer Jodlösung zur Desinfektion.


Sind alle 7 Kühe fertig, dann wird der Bügel gehoben und die Tiere sausen zum Fressplatz hinaus. Dort erwartet jede das Leckerli. Die Gemelke werden desinfiziert mit einer Essigsäure und weitere sieben Kühe kommen in den Melkstand rein.


Sind nun alle Kühe gemolken, heißt es – Milch raufpumpen in den Tank und mit der Reinigung beginnen. Es wird alles sauber geputzt, die Kotrinne gereinigt, der Trittboden und Seitenflächen. Sind wir zu zweit, dann geht einer von uns, die „Betten“ – Liegeboxen für die Kühe zu richten. Keiner liegt gerne in einem Kuddel Muddel, auch nicht die Kühe. Unsere Stroh-Kalk-Liegebuchten werden mit der Gabel hergerichtet und der Mist, der am Rand von den Kühen hinterlassen wurde, runtergekratzt.




Ist nun der Melkraum gereingt, die Betten gerichtet und der Mist rausgebracht, die Milch am richtigen Fleck zur richtigen Temperatur – dann können die Kühe vom Fressgitter ausgelassen werden und bewegen sich wieder frei -ob zum Wasser trinken, zum Rasten, zum Spielen, zum Leckstein schlecken ….



Diese Vorgänge sind zweimal täglich und das 365 x im Jahr. Hat eine Kuh gekalbt, darf die Milch vorerst nicht der Molkerei geliefert werden. Diese „Biestmilch“ Kolostralmilch ist sehr hochwertig und die wichtigste Nahrung für das neugeborene Kalb. Diese Kühe werden mit einem Band am Fuß markiert, damit keine Verwechslung entsteht und die Milch nicht in den Tank gemolken wird. Ist die Milch dann wieder hemmstoff-frei (man muss eine Probe an die Molkerei schicken), muss die Kuh nicht mehr separat gemolken werden.
Unsere Kühe haben alle einen Namen, ein Halsband mit einer Transpondernummer. So können sie beim Reingehen in den Melkstand dem System zugeordnet werden und auch beim Kraftfutterautomaten bekommen sie dann auch nur die Menge an Kraftfutter, die wir ihr einstellen.
Lust auf die Arbeiten im Stall bekommen? Nächste Woche werde ich euch erzählen, wie unsere Kälbchen gefüttert werden und mit welcher Freude unser Sohn Matthias die Kleinen zähmt und „abrichtet“. Seid ihr dabei ?
Herzlichsts, Katharina Schwaiger vom Zittrauerhof in Gastein.




Folgen Sie uns: